Pixel Sundays: Mortal Shell – Vom kleinen Soulslike zum großen Sequel

Mortal Shell erschien erstmals am 18. August 2020. Das Spiel wurde von Cold Symmetry entwickelt und von PlayStack veröffentlicht. Damals bestand das Kernteam nur aus 15 Entwicklern und ihr Ziel war es, ein ambitioniertes Soulslike zu erschaffen, das anders ist. Während der frühen Entwicklung trug das Projekt noch den Namen Dungeonhaven und es ist inspiriert durch Dark Souls und andere Soulslike.

Zusammenfassung

Der Twist ist, dass man nicht eine eigene Charakterklasse wählt, sondern den Körper eines verstorbenen Kriegers übernimmt. Daher kommt auch der Name Shells. Besonders wichtig dabei ist die Harden-Mechanik, mit der man den eigenen Körper mitten im Kampf verhärten kann. Aus diesem kleinen Indie-Spiel wurde letztendlich eine erfolgreiche Marke und jetzt steht mit Mortal Shell II am 20. August 2026 ein deutlich größeres Sequel unmittelbar vor dem Release.

Vom kleinen Indie-Projekt zum düsteren Soulslike

Cold Symmetry wurde im Jahr 2017 gegründet. Zu diesem neuen Team gehörten mehrere Entwickler mit AAA-Erfahrung. Die Entwickler hatten den Wunsch nach einem eigenen Projekt, welches sie mit einem deutlich kleineren Team von nur 15 Entwicklern starteten. Und so starteten sie am Dungeonhaven welches erst später in Mortal Shell umbenannt. Trotz des kleinen Teams hatte das Spiel eine ambitionierte Grafik, welche durch die Unreal Engine 4 möglich war. Das Spiel hat eine düstere Fantasy-Optik mit verfallenen Landschaften, grotesken Monstern und großen Bossgegnern.

Mortal Shell

Das Vorbild war klar Dark Souls, vor allem mit den schweren Nahkämpfen. Doch die Entwickler haben sich bewusst gegen ein riesiges Spiel entschieden, sondern sie bieten eine kompaktere Erfahrung mit weniger Gebieten und weniger Waffen. Es gab durch die eigene Kern-Mechanik mit den Shells auch deutlich weniger Charakterklassen. Schon das erste Gameplay sorgte noch vor Release für Aufmerksamkeit, vor allem wegen der Grafik. Viele dachten, das Spiel sei von einem großen Studio. Der Release kam dann am 18. August 2020 für PC, PS4 und Xbox One mit einem relativ günstigen Preis von 25€. Dadurch war die Einstiegshürde niedrig und viele Spieler fanden zu dem Spiel. 

Vier Körper, vier Spielstile – das System der Shells

Zu Beginn von Mortal Shell startet man ohne normalen menschlichen Körper. Man ist ein geheimnisvolles Wesen, welches Foundling genannt wird. Doch man besitzt die Fähigkeit, den Körper verstorbener Krieger zu übernehmen. Diese Körper heißen Shells und sind die zentrale Mechanik des Spiels. Sie ersetzen die klassischen Charakterklassen. Zunächst gibt es vier Haupt-Shells mit jeweils eigenen Werten, unterschiedlichen LP, Ausdauer und Spezialfähigkeiten. Die vier Charakter sind:

Mortal Shell
  • Harros – Als Allrounder mit ausgeglichenen Werten und perfekt für Einsteiger
  • Tiel – Mit hoher Beweglichkeit und Ausdauer dafür mit wenig LP, also für einen schnellen Kampfstil ausgelegt.
  • Solomon – Welcher stark auf Spezialfähigkeiten ausgelegt ist.
  • Eredim – Ein Tank, der besonders auf Widerstandsfähigkeit und LP ausgelegt ist, dafür mit weniger Ausdauer.

Die Shells können verbessert werden. Man schaltet mit der Zeit neue Fähigkeiten frei, wenn man dafür Ressourcen gesammelt hat. Es gibt also kein klassisches Leveln wie in Dark Souls. Man kann seinen Shell im Laufe des Spiels auch wechseln und so eine ganz andere Spielweise benutzen. Wenn man stirbt wird man aus seiner Shell geschleudert und hat die Chance, den Körper wieder zu übernehmen. Nur wenn man das nicht schafft, ist man endgültig tot. Dadurch bekommt man nach manchen Fehlern eine zweite Chance, welche es in anderen Souls Spielen nie gibt.

Harden statt Blocken – Mortal Shells besondere Kampfidee

Die zweite große Kern-Mechanik in Mortal Shell ist das Harden. Man kann seinen Körper verhärten, wodurch die Figur für kurze Zeit steinhart wird. So können gegnerische Treffer abgefangen werden. Dieses Feature funktioniert ähnlich wie Blocken, ist aber deutlich flexibler, denn es kann auch während Angriffen eingesetzt werden. Es wird nichtmal die eigene Animation dabei abgebrochen als kleines Beispiel: Du machst eine schwere Attacke, mitten im Angriff verwendest du Harden, fängst den Treffer des Gegners ab und setzt dann deinen eigenen Angriff fort.

Mortal Shell

Durch dieses Feature entsteht ein ungewöhnlicher Kampf-Rhythmus, denn man muss nicht jedem Angriff ausweichen, sondern einfach nur sein Harden perfekt timen. Harden hat eine Abklingzeit und kann nicht permanent benutzt werden, weswegen man gut planen muss, wie man die Fähigkeit nutzt. Besonders stark ist das Feature gegen starke Gegner und natürlich Bosse. Dieses Feature ist besonders spannend, da man es sowohl offensiv als auch defensiv verwenden kann. Man kann dadurch auch aggressive Angriffe machen, da man sie kurzzeitig pausieren kann.

Zusätzlich zum Harden gibt es noch Ausweichen und Parieren, das heißt, man hat einfach nur eine Möglichkeit mehr als in anderen Soulslike. Unterschiedliche Waffen verändern den Rhythmus des Harden, am besten kann man es allerdings mit schweren Waffen kombinieren. Denn man kann seine Angriffe bewusst vorbereiten und Gegner zum Angriff verleiten. Dann verwendet man Harden und hat einen starken Konter. Je erfahrener man wird, desto taktischer ist dieses Feature und die Lernkurve davon ist Teil des Spiels. 

Fallgrim – eine kleine, aber gnadenlose Welt

Fallgrim ist das wichtigste Gebiete der Welt von Mortal Shell. Dabei handelt es sich um eine sumpfige und verfallene Landschaft mit einer ständig düsteren Atmosphäre. Überall sind Ruinen und es gibt kaum einen sicheren Ort. Die Gegner patrouillieren durch die Welt. Fallgrim funktioniert als Verbindungspunkt, denn mehrere Wege führen von dort weiter zu unterschiedlichen Tempeln und verschiedenen größeren Gebieten. Jedes Gebiet hat eigene Gegnerarten und eigene Bosskämpfe.

Mortal Shell

In der Welt kann man neue Waffen finden und es sind auch neue Shells an einigen Orten versteckt. Auch Ressourcen sind überall verteilt, also wird Erkundung belohnt. Die Karte ist zunächst schwer zu lesen, denn es gibt keine klassische Minimap. Man muss lernen, sich über die Umgebung zu orientieren, was anfangs verwirrend sein kann. Die Welt ist bewusst geheimnisvoll dargestellt und auch die Story wird kaum direkt erklärt. Viele Informationen sind versteckt in Gegenstandsbeschreibungen oder Gesprächen mit NPCs. Auch die Erinnerungen der Shells geben Infos über die Welt. Also hat man eine klassische Souls-Like-Erzählweise und der Spieler muss sich vieles selbst zusammensetzen.

Auch die Religion spielt eine große Rolle in Mortal Shell. Es gibt einige fanatische Anhänger und mysteriöse Sekten. Die Welt wirkt bereits lange zerstört und es gibt kaum Hoffnung. Dadurch gibt es eine starke Atmosphäre in einer vergleichsweise kleinen Spielwelt. Dafür ist die Welt aber deutlich dichter aufgebaut mit relativ kurzen Wegen zwischen wichtigen Orten. Fallgrim bleibt über eine lange Zeit zentral und auch später verändert sich die Umgebung nur teilweise. Die Gegner werden natürlich gefährlicher. Die Welt soll bewusst fremd und unangenehm wirken, was stark zur Identität des Spiels beiträgt.

Mehr als nur das Hauptspiel – DLCs und neue Versionen

Cold Symmetry unterstützte Mortal Shell auch nach dem Release weiter. Es kamen mehrere kostenlose Updates, das erste größere war Rotting Autumn. Dieses erschien noch 2020 und brachte zusätzliche Shell-Skins, weitere kleinere Inhalte, neue Quests und einen Fotomodus. Außerdem kam ein alternativer Soundtrack mit Musik von der Band Rotting Christ diese ungewöhnliche Kooperation passt perfekt zur düsteren Welt. Im Jahr 2021 folgte dann die Enhanced Edition mit technischen Verbesserungen wie höherer Auflösung, besserer Performance und kürzeren Ladezeiten. 

Mortal Shell

Dieser lange Support zeigte langfristigen Erfolg, weswegen im August 2021 der DLC The Virtuous Cycle erschien. Bei der Erweiterung, welche gerade einmal 7€ kostete (heute nur noch 4€), handelt es sich um einen Roguelike-/Roguelite-Modus. Jeder Durchlauf ist etwas anders mit verschiedenen Gegnern und Belohnungen. Es kamen zahlreiche neue Fähigkeiten und über 100 mögliche Upgrades hinzu, wodurch man jeden Run einen anderen Build hatte. Der zuvor wichtige Charakter Hadern wurde zu einem spielbaren Shell und es kam die neue Waffe Axatana, ein Mix aus Axt und Katana. Dadurch kamen neue Kampfstile und deutlich mehr Wiederspielwert. Später erschien die Complete Edition wie eine Nintendo Switch Version, wodurch Mortal Shell für mehrere Jahre präsent blieb.

Mortal Shell II – größer, offener und deutlich ambitionierter

Nach mehreren Jahren erscheint am 20. August 2026 Mortal Shell II. Auch dieses Spiel wurde wieder von Cold Symmetry entwickelt in Zusammenarbeit mit PlayStack. Doch für den zweiten Teil gibt es ein deutlich größeres Entwicklerteam mit fast 30 Mitarbeitern. Viele Systeme werden erweitert, doch die Shells bleiben als Kernidee bestehen. Diesmal gibt es mehr spielbare Shells, insgesamt sind acht Stück geplant, wodurch es mehr Spielstile gibt. Auch die Waffenvielfalt wird größer mit mehr Möglichkeiten zum Aufrüsten, denn Waffen sind stärker individualisierbar. Zusätzlich kommen Sidearms, also Fernkampfwaffen als Ergänzung zum Nahkampf.

Mortal Shell

Die Welt ist größer als im Vorgänger und es handelt sich um eine zusammenhängende Open World mit weniger engen Strukturen als im ersten Teil. Trotzdem hat man keine riesige Ubisoft-artige Karte. Die Welt soll kompakt bleiben mit mehr Freiheiten bei der Erkundung. Man kann selbst entscheiden, was man tut und in welcher Reihenfolge man alles angeht. Es kommen neue Regionen, eine größere Gegnerauswahl und mehr Bosskämpfe. Die Kämpfe generell werden im zweiten Teil schneller und ein aggressiverer Spielstil wird stärker unterstützt. Das gesamte Ausdauer-System wurde verändert und die Angriffe sind nicht mehr so stark durch Stamina begrenzt. Man muss die Haltung der Gegner durchbrechen und danach kritische Treffer landen. 

In der Welt gibt es außerdem über 60 bestätigte Dungeons, die über die Open World verteilt sind. Jedes Dungeon bietet verschiedene Herausforderungen. Dort muss man seine gefundenen Waffen, Shells und Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Es gibt verfallene Tempel, verbotene Wälder, eisige Gräber und aus Knochen errichtete Zitadellen, also ein großes Spektrum an verschiedenen Orten. Das Spiel erscheint am 20. August für PC, PlayStation 5 und Xbox Series. Mortal Shell 2 wird doppelt so teuer wie der Vorgänger mit 49,99€, doch dafür auch umfangreicher. Mit der Devout Edition bekommt man sogar bis zu 72 Stunden Early Access.

Fazit: Vom Soulslike-Geheimtipp zur eigenen Reihe

Mortal Shell hat gezeigt, dass man auch mit einem kleinen Entwicklerteam ein Soulslike erschaffen kann, das nicht einfach nur Dark Souls kopiert. Gerade die Shells und das Harden haben dem Spiel eine eigene Identität gegeben und sorgen dafür, dass sich die Kämpfe deutlich anders anfühlen. Dazu kommt die kompakte und düstere Welt von Fallgrim, die zwar deutlich kleiner als bei vielen Genre-Konkurrenten ist, dafür aber eine dichte Atmosphäre bietet.

Mortal Shell

Mit Updates, der Enhanced Edition und The Virtuous Cycle wurde Mortal Shell nach dem Release weiter ausgebaut. Jetzt macht Cold Symmetry mit Mortal Shell II den bisher größten Schritt. Acht Shells, mehr Waffen, eine offenere Welt und über 60 Dungeons zeigen, dass der zweite Teil deutlich ambitionierter wird. Gleichzeitig bleiben die wichtigsten Ideen des ersten Spiels erhalten.

Aus einem kleinen Indie-Projekt mit gerade einmal 15 Entwicklern ist damit innerhalb von sechs Jahren eine eigene Soulslike-Reihe geworden. Ob Mortal Shell II diesen nächsten großen Schritt schafft, werden wir bereits ab dem 20. August sehen.


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