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USt-Gesetz für entmaterialisierte Produkte | Januar 2015

0302-01

Änderung des Leistungsorts bei elektronischen Dienstleistungen etc. ab 2015

Vor 2015 war die Mehrwertsteuer auf Käufe entmaterialisierter Waren an den Wohnsitzstaat des verkaufenden Unternehmens gekoppelt. Ab  dem 1. Januar 2015 ist es nicht mehr der Fall: die angelegte Mehrwertsteuer ist jetzt das Recht des Landes des Käufers.


Hier ist das Gesetz zum 1. Januar 2015 entmaterialisiert Produkte:

Zum 1. Januar 2015 werden aufgrund der Änderungen beim Leistungsort durch das Mehrwertsteuerpaket 2010 Telekommunikationsleistungen, Rundfunk- und Fernsehleistungen und elektronische Dienstleistungen an Privatpersonen in der EU an deren Wohnsitzstaat besteuert. Elektronische Dienstleistungen werden somit steuerpflichtig  zum geltenden Mehrwertsteuersatz  in dem Mitgliedsstaat, indem der Verbraucher seinen Sitz, Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort hat.  Der Dienstleister muss dann die Erklärung der Mehrwertsteuer in den einzelnen Mitgliedstaaten des Verbrauchs abgeben und dort zahlen. Es gilt die Vereinfachungsregelung zur kleinen einzigen Anlaufstelle (KEA) bzw. zum sog. mini one stop shop (MOSS), da mit Wechsel des Leistungsorts in das jeweilige EU-Land für die betroffene Unternehmen u. a. eine Registrierungspflicht einhergeht. Diese Einführung ist Elektronisch geplant.

Das heißt, wenn entmaterialisierte Software verkauft wird, muss die Mehrwertsteuer auf den Steuersatz des Herkunftslandes berechnet werden.

moss-en

Beispiel:

• Der Verbraucher ist Rumänisch: Er sollte die rumänische Mehrwertsteuer beantragen. Wenn der Verbraucher Engländer ist, die englisch Mehrwertsteuer, etc …

Um diese Komplexität, die die Regierungen festgelegt haben, an Ort und Stelle für unser Geschäfte umzusetzen, gibt es eine Vereinfachungsregel / Sonderregelung. „Mini-One-Stop-Shop“ (MOSS):

Die ab dem 1. Januar 2015 in Kraft tretende Sonderregelung des MOSS ermöglicht es den in einem EU Staat ansässigen Unternehmern, ihre in den übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) ausgeführten Umsätze, die unter die Sonderregelung fallen, in einer besonderen Steuererklärung zu erklären, diese Steuererklärung zentral über das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) auf elektronischem Weg zu übermitteln und die sich ergebende Steuer insgesamt zu entrichten. Diese Regelung gilt allerdings nur für die Umsätze in anderen Mitgliedstaaten der EU, in denen der Unternehmer keine umsatzsteuerliche Betriebsstätte hat.

Beispiel:

  • Ich bin in Deutschland und ich verkaufe auf meiner Website in Belgien entmaterialisiert Spiele an dort ansässige natürliche Personen. Ich muss den aktuellen Mehrwertsteuersatz in Belgien (21%) angeben. Ich habe dann beim Verkauf erklären, wie hoch die Mehrwertsteuer in diesem Staat ist. Um die Verwaltungsformalitäten in Belgien zu verhindern, habe ich die Möglichkeit, mich im MOSS der mir durch den deutschen Fiskus zur Verfügung gestellt wird zu identifizieren, zu erklären und dort zu zahlen. Das wird quartalsweise abgerechnet nach der Höhe der Umsatzsteuer in Belgien. Dies wird die Deutsche Regierung vierteljährlich veranlagen und die belgische Mehrwertsteuer der dahin verkauften Produkte an die dort ansässige Verwaltung zahlen.

Dieser Nachweis ist bei der Anmeldung der MOSS zu erbringen:

  • Individuelle Identifikationsnummer für die Mehrwertsteuer
  • Name des Unternehmens
  • Postanschrift
  • Web-Adresse
  • Kontaktperson
  • Kontakt-Telefon
  • Banken Informationen
  • Art der erbrachten Leistungen.

Das bedeutet, dass in jedem Quartal eine Datei mit der MwSt-Erklärung für jeden EU-Mitgliedstaat erstellt werden muss.  Die Fristen dafür sind:  20. April für das erste Quartal am 20. Juli für das zweite, der 20. Oktober zum dritten und 20. Januar zum vierten Quartal.

Diese Erklärungen müssen online abgegeben werden.

Kontakt
Bundeszentralamt für Steuern

Dienstsitz Saarlouis
Ahornweg 1 – 3
66740 Saarlouis

Telefon:  0228 406-38040228 406-3804
Fax:        0228 406-3801

Aus dem Ausland:
Telefon:  +49 228 406-3804+49 228 406-3804
Fax:        +49 228 406-3801

Zuständigkeitsbereich: Mini-One-Stop-Shop

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Jeder Mitgliedstaat der EU, und damit an der MOSS beteiligt, muss folgende Informationen angeben:
• Der Gesamtwert der Leistungen in Euro
• Der Mehrwertsteuersatz für jedes Land
• Die Höhe der Mehrwertsteuersätze und der Gesamtbetrag der geschuldeten MwSt

Diese verschiedenen Dienste sind von der Gesetzgebung zum 1. Januar 2015 betroffen:
• entmaterialisiert Videospiele
• Fest- oder Mobiltelefone
• Videotelefon
• Paging
• Fax und Telex
• Bereitstellung eines Zugangs zum Internet.

• Video-on-Demand
• Anwendungen zum Herunterladen
• Musik Downloads
• Elektronische Bücher
• Antiviren-Software
• Online-Auktionen


MwSt Angaben, je nach Ihrem Wohnort innerhalb der Europäischen Union:

ec.europa.eu-taxation_customs-resources-documents-taxation-vat-how_vat_works-rates-vat_rates_en.pdf

Für die Verkäufe, die außerhalb der EU getätigt werden, bleibt die bisherige Gesetzgebung bestehen, die gültige landestypische Mehrwertsteuer des Landes aus dem das Unternehmen den Verkauf tätigt.


Wie dieses Gesetz von den Anbietern verwaltet und die MwSt entmaterialisierter Spiele gezahlt wird:

Das Gesetz muss von jedem Anbieter von entmaterialisierten Produkten außnahmslos umgesetzt werden. Dies reicht von Ebooks, Videospielen über die Software etc. …

Die meisten Anbieter haben diese neue Art zu arbeiten und die zu integrierende Mehrwertsteuer bereits eingeführt. Einige legen sie direkt auf den Preis um, andere fügen sie später bei der Auswahl des Spiels hinzu. Für den Anwender bedeutet dies zwei wesentliche Änderungen.

Die erste Änderung ist der Preis. Zwangsläufig ist die Mehrwertsteuer in den meisten Ländern der Käufer deutlich höher als in dem Land, in dem der Sitz des Unternehmens des Verkäufers.  Daher haben diese einige Preise über 20% erhöht. Dies ist der Fall, wenn die Kosten der Mehrwertsteuer direkt hinzugefügt wurden, um den Preis transparent für den Käufer zu machen, der die MwSt entrichten muss.

Die zweite ist eine zusätzliche Option, die den Benutzer zur Auswahl der Mehrwertsteuer des Landes auffordert, nachdem der Benutzer das Produkt in den Warenkorb gelegt hat. Für manche bedeutet dies eine zusätzliche Gebühr von bis zu 20% zusätzlich zu dem angezeigten Preis des Spiels. Dies hat vor allem eine negative Auswirkung auf den Käufer, der sich vom Verkäufer betrogen fühlt. Das ist aber wie man hier sieht nicht der Fall!

Wir werden später sehen, dass die meisten Hersteller das Herkunftsland des Käufers durch die automatisch übermittelte IP Adresse erkennen, und  damit die Mehrwertsteuer automatisch auf den Preis anwenden. Es ist bei einigen Anbietern möglich den „Cheat“ die Mehrwertsteuer, die bezahlt werden muss zu wählen. Damit  wählt man ein Land, indem der Steuersatz viel niedriger als der im Wohnsitzstaat ist. Damit lassen sich  ein paar Euro sparen. Das werden wir später erläutern.


Die Verkäufer Detektionssysteme:

Die Mehrheit der Verkäufer erkennt die IP des Käufers, um die entsprechende Mehrwertsteuer automatisch zuzuweisen.

Dieser Ansatz findet man am Häufigsten unter den Anbietern von entmaterialisierten Spiele. Die meisten von ihnen zeigen die Mehrwertsteuer erst nach dem Kauf des Videospiels an. Das ist für viele Käufer eine negative Überraschung, denn den Endpreis erst im letzten Moment genannt zu bekommen ist nicht Verbraucherfreundlich.

Andere Anbieter von entmaterialisierten Spielen haben dieses MwSt Gesetz noch nicht umgesetzt. Normalerweise macht dies diese Verkäufer zu „Gesetzlosen“, weil sie nicht den europäischen Rechtsvorschriften entsprechen. Doch dies ist mit Sicherheit nur eine Verzögerung in der Entwicklung und das Verständnis für unser europäisches System, das viel komplizierter ist und mehr Vorgänge reguliert als in den meisten Ländern üblich ist….

Die automatische Überprüfung der IP Adresse des Käufers ist die einfachste und sicherste Möglichkeit für die Anbieter. Wenn dann der Domizilstaat möglicherweise geändert werden soll, werden die meisten Anbieter die Käufer bitten, dies zu beweisen. Ein Beispiel von diesen Informationen ist in der Abbildung unten dargestellt.

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Umgekehrt gibt es auch einige Anbieter wie z.B. (G2A), die die Wahl dem Käufer überlassen. Dieses Prinzip scheint zwar sehr grenzwertig zu sein, dass der Käufer ein paar Euro auf der Rechnung spart, indem er einfach nicht den vorgeschriebenen MwSt – Satz zahlt. Doch er entscheidet hier, welches „Land“ er für sich speichert. (siehe Bild unten)

Der Käufer entscheidet, ob er die günstigere Mehrwertsteuer genießt und etwas Geld spart oder er eine  patriotische Seele spürt und die zusätzlichen bis zu 20% zahlt. Jeder ist dabei ausschließlich sein eigener Richter. Wir sprechen keinerlei Empfehlungen aus. Es ist die Wahl des Verbrauchers, diesen Vorteil des Systems zu nutzen oder nicht. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Entscheidung zukünftig von G2A überdacht wird.

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Die Nichteinhaltung der europäischen Rechtsvorschriften über die Anwendung der Mehrwertsteuer bringt Sanktionen für den Verkäufer. Dies sind in der Regel Geldstrafen und können ziemlich schwerwiegend sein.

Jedes der 28 europäischen Staaten hat das Recht, rechtliche Schritte gegen die Anbieter für Mehrwertsteuerbetrug vorzunehmen. Die Schritte können bis zu Zivilklagen für einen Mehrwertsteuerbetrug oder strafrechtliche Anklagen sein und gehen bis zur Strafverfolgung durch den Generalstaatsanwalt. Es genügt also zu sagen, dass die MwSt zu umgehen sehr teuer für das Unternehmen werden kann.

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  1. ThanksMrNice sagt
    Dezember 9, 2015, 10:57 pm

    Guter Artikel! Bringt etwas Licht in das ganze 😀 Also habe ich als Käufer nichts zu befürchten wenn ich „außerhalb der EU“ angebe. Hab das bei Kinguin immer gemacht seit es möglich war. Keys habe ich immer bekommen.

    antworten
  2. Jeanette sagt
    April 19, 2015, 11:43 am

    Soweit ich weiss, kann man zwar bei G2A 0% VAT eingeben, aber bekommen tut man keinen Key, wenn die merken, dass man aus der EU ist wird nachgefragt und notfalls die Transaktion abgebrochen. Das war aber von Anfang an so …

    Natürlich gibt es Wege VAT zu umgehen, sobald man VPN benutzt und flasche Adressdaten angibt und mit anonymen Zahlungemitteln wie Ukash oder PSC bezahlt. Aber wie hier schon geschrieben wurde, ist das Steuerhinterziehung.

    Man sollte wenigstens so fair sein und seine Steuern zahlen, wenn man Key´s schon weiter unter Normal-Preis bekommt. Nun haben wir so ein in meinen Augen sehr gutes gerechtes System und jedes EU-Land bekommt gerecht die VAT-Steuern, anstatt das alles ungefiltert als Einbahnstraße nach China fließt.

    antworten
    • Twn sagt
      Oktober 21, 2015, 3:31 pm

      Naja, das gilt nur wenn g2a auch tatsächlich seine Steuern bei den betreffenden EU Staaten abdrückt.

      Als Hong konger Unternehmen glaube ich eher das die jeden VAT Betrag schnurstracks in die eigene Tasche stecken.

      Welcher Eu Staat kann schon in Hong Kong oder generell Asien Sanktionen durchdrücken?

      antworten
      • ViruX sagt
        November 27, 2015, 6:20 pm

        @Twn Ganz genau das befürchte ich nämlich auch! Und ich habe keine Lust weitere 19% an G2A zu verschenken.

        antworten
  3. TheSakuretsuman . sagt
    März 12, 2015, 11:11 pm

    Respekt! Super geschriebener und informativer Artikel. Vielen dank für die Mühe!

    antworten
  4. LilSecret RM sagt
    März 12, 2015, 8:22 pm

    very very nice work thanks team for this nice info ♥

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